Wenn Musik die Hauptrolle in einem Film spielt

Wenn eine Filmszene besonders intensiv ist, liegt dies oft an der musikalischen Untermalung die Gefühle wie Trauer, Freude oder auch Aufregung zusätzlich zum Bild auslösen kann. Entsprechend profitiert natürlich das Bildmaterial stark von der akustischen Wirkung. Wenn ein Musikstück allerdings besonders auffällig ist, weckt es zusätzlich die Aufmerksamkeit des Zuschauers, dem ermöglicht wird über Erwerb des offiziellen Soundtracks – also der Filmmusik – die Musik auch außerhalb des Films zu genießen. Oft ist die Musik dabei nicht extra für den Film komponiert, sondern wird von existenten Bands übernommen. Ein gutes Beispiel dafür ist die TV-Werbung für Apples iPod. Mit jeder neuen Ausstrahlung wird ein Musikstück vorgestellt, dessen Interpret schnell internationale Aufmerksamkeit erringt. 2007 war dies die Indie-Band “The Fratellis”, die davon stark profitierte und ihr Musikstück “Flathead” selbst ohne Nennung im Werbespot große Beliebtheit erlangte und entsprechend ihren Erfolg vor allem dem IT-Giganten Apple zu verdanken hat.

Besonders Hollywood-Serien sind es, die mit ihren Soundtracks unbekannten Künstlern das Tor zum Weltmarkt öffnen können. Zuständig dafür sind Personen wie Aleksandra Patsavas, sie leitete die Soundtracks bei globalen Erfolgsproduktionen wie zum Beispiel Grey’s Anatomy, The O.C., Gossip Girl oder auch Überrschungskinohit Twilight. Dabei wählt sie die Musik für Serien und Filme aus, passt sie gegebenenfalls an und setzt sie bei der Produktion ein. Sie bedient sich bei der Suche nach passenden Musikstücken laut einem Interview vor allem am Internet oder eingesendeten CDs. Das Potential hinter der Verwendung von Musik in Filmen hat sie genutzt, indem sie mit Künstler ihres eigenen Musiklabels Chop Shop Records platzierte.

Um Music Placement handelt es sich bei Soundtrack allerdings nicht, denn dafür ist die Einbettung in die Filmdramaturgie vonnöten. Ein bekanntes Beispiel wäre die Platzierung von der Band “The Shins” in Zach Braffs internationalen Erfolg Garden State. In der entsprechenden Filmszene trifft der Protagonist (gespielt vom Regisseur) Andrew Largeman auf die quirlige Sam (gespielt von Publikumsliebling Natalie Portman), die ihm von der damals noch recht unbekannten Musikgruppe “The Shins” erzählt und ihm prompt Kopfhörer (dabei handelt es sich übrigens um ein Product Placement der Aiwa HP-X223) mit den Worten “Dieser Song wird dein Leben verändern” aufsetzt. Das Lied das abgespielt wird heisst “New Slang” und befindet sich gemeinsam mit einem anderen Stück der Shins (Caring is Creepy) auf dem erfolgreichen Film-Soundtrack.

Der renommierte Weihnachtsfilm Tatsächlich Liebe präsentiert die CD “Both Sides Now” von Joni Mitchell einmal mit einem verbalen Placement, das bedeutet die Musikerin wird von den Darstellern im Film erwähnt, um später noch einmal in einer Schlüsselszene noch einmal visuell aufgegriffen zu werden, indem die CD-Verpackung gezeigt wird. Somit ist ein starker Wiedererkennungswert gegeben und die Zuschauer des Filmes erkennen die CD-Hülle möglicherweise bei einem Besuch im lokalen Musikhändler oder beim stöbern in Internet-Stores wieder. Auf dem offiziellen Soundtrack von Tatsächlich Liebe befindet sich selbstverständlich auch ein Lied von Joni Mitchell.

Ein dank Tatsächlich Liebe sehr bekannter Album-Cover:

tatschlich_liebe_music_placement

Ein weiteres Music Placement befindet sich im Film (500) Days of Summer vom Regisseur Marc Webb, der seine Liebesgeschichte zwischen den Schauspielern Joseph Gordon-Levitt und Zooey Deschanel komplett um die Band “The Smiths” gesponnen hat. In einem Fahrstuhl lernen sich die Protagonisten Tom und Summer genauer kennen, indem sie zufällig ihre gemeinsame Liebe für die einflussreiche Musikgruppe entdecken. Zwar sind die Smiths seit 1987 aufgelöst, Musiclabel Rhino Entertainment wird kommerziell von so einem Music Placement aber durchaus profitieren.

http://www.youtube.com/watch?v=9IltBcAmE9E

Die maximale Verschmelzung von Film und Musik stellt der Film Once mit Glen Hansard und Markéta Irglová dar. Beide Darsteller haben gemeinsam die Band “The Swell Season” und konnten über die Veröffentlichung des Films internationale Aufmerksamkeit gewinnen, indem sie sowohl mit schauspielerischer, als auch musikalischer Leistung überzeugten. Dafür wurden sie mit dem Oscar für den besten Song belohnt. Mit einem weiteren Film (nennt sich dem Interpreten entsprechend auch “The Swell Season”) versuchte das Duo 2011 an den vergangenen Erfolg anzuknüpfen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird der Film von StudioCanal vertrieben werden.

Product Placement in Musikvideos ist mittlerweile stark verbreitet, selbst Interpreten wie David Guetta oder Lady Gaga versuchen über diese besondere Werbung zusätzliche Einnahmen zu generieren. Music Placements in Filmen und Serien haben auch ihre kommerzielle Wirkung, sind allerdings weitaus seltener aufzufinden.

Quellen:

laut.de

nytimes.com

welt.de

snmag.com

last.fm

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BEO Autor: Alexander Kornelsen

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