Scripted Reality: Kritik und Studie

So offensichtlich gestellt manche Aufnahmen sein mögen – aufgrund der nicht vorhandenen schauspielerischen Qualitäten beispielsweise – gelingt es den Schöpfern des “Lügenfernsehens” (eine Wortschöpfung der Sendung “Panorama“, mit einem informativen Video zum Thema) den Zuschauer glauben zu lassen, dass ein Kamerateam echte Geschehnisse filmt. Egal ob es ein Problem eines Jugendlichen ist, das von den “Schulermittlern” gelöst wird oder ob ein übergewichtiges Mädchen in “Schwer verliebt” ihren Traummann kennen lernt. Solche Geschichte basieren nur selten auf wahren Gegebenheiten und sind noch seltener tatsächliche Dokumentationen, die von echten Geschehnisse berichten.

http://www.youtube.com/watch?v=YensPXeWSFw

Trailer: The Social Network

Von Filmtrailern kennen wir die Bezeichnung “basiert auf einer wahren Geschichte” und finden es ansprechend, macht es eine Filmstory á la “Catch me if you can” (mit Leonardo Di Cabrio und Tom Hanks) doch nur noch beeindruckender. Im privaten Fernsehen gibt es Dokumentationen, die einem genau das vorgaukeln, dabei werden Reportagen oder Dokumentationen ausgestrahlt, die für den Zuschauer wirken sollen, als würde man das echte Leben filmen, dabei handelt es sich um Produktionen die auf ein ausgedachtes Drehbuch beruhen. Ein solches Format nennt sich Scripted Reality und wird momentan von mehreren Seiten kritisiert.

Das Problem im Gegensatz zum Film ist: Bei einem Kinostreifen weiss man, dass es sich um Schauspieler handelt. Wenn man The Social Network mit Jesse Eisenberg und Andrew Garfield guckt, erfährt man, wie das soziale Netzwerk facebook entstanden ist, weiss aber, dass es nur nachgespielt ist. Guckt man nachmittags auf RTL ein Fernsehprogramm ist sich der Zuschauer nicht mehr so sicher, ob es ausgedacht ist, nachgespielt wurde oder tatsächlich dokumentiert ist. Die Zuschauer dabei nicht aufklären zu wollen und einfach darauf zu hoffen, dass er weise genug sein möge zu erkennen, dass es sich dabei nicht um ein reales Setting handelt bzw. von den Eltern zu erwarten , ihre Schützlinge darüber zu informieren, dass Shows wie “Zwei bei Kallwass” nur aus den Köpfen pfiffiger Autoren stammt (so tut es beispielsweise Marktführer RTL), ist gefährlich.

http://www.youtube.com/watch?v=wHk8fDdHy8Y

Ausschnitt aus “Schwer verliebt”

Denn auch wenn viele Sendungen am Ende ein gut gemeintes, richtungsweisendes Fazit aufweisen ist genau das die Problematik:

Diese suggerierte Realität, welche nur Vorurteile aufgreift, ist deshalb so gefährlich, weil genau diese Vorurteile nicht mehr nur als Vorurteile betrachtet werden, sondern als Fakten. Diese Scripted Reality Formate haben somit eine meinungsbildende Wirkung auf bestimmte Rezipienten. Aus diesen Meinungen können auch schnell Einstellungen werden und spätestens dann folgen falsche konkrete Handlungen. (BEO-Kommentar vom 6. Oktober 2011)

Entsprechend geraten Scripted Reality Shows mehr und mehr in die Kritik. Spiegel.de berichtete bereits mehrfach, aber auch Panorama und Zeit TV sehen nicht gerne, dass Produktionen wie Frauentausch den Zuschauer hinter das Licht führen. Vorhandene Kennzeichnungen, dass es sich möglicherweise nicht um originalgetreue Repräsentationen handeln könnte sind mager, eine konsequente Kennzeichnungspflicht wie es in Deutschland seit April 2010 für Product Placement üblich ist, existiert bisher nicht für Scripted Reality. Wir hatten uns bereits von einer Weile mit dem Thema auseinander gesetzt und ein SR-Logo vorgeschlagen.

 

Mehr zum Thema: Kennzeichnungspflicht für Scripted Reality?

BEO-Autor: Alexander Kornelsen

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,803846,00.html

http://www.digitalfernsehen.de/Studie-Scripted-Reality-Formate-im-Fernsehen-verwirren-Kinder.74242.0.html

http://apa.cms.apa.at/cms/content/news_detail.html?rangeCount=0&doc=CMS1323869470704

http://www.wz-newsline.de/home/gesellschaft/scripted-reality-in-der-kritik-1.846183

http://www.roederhallo.de/2011/12/16/dokumentationen-sind-schlimmer-als-product-placement/